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Protox Therapeutics Inc. – Milliardenmarkt im Visier

Protox Therapeutics Inc. / WKN A0M RJM / CA:PRX

verfasst am 26. August 2008

Wenn ein Mann älter wird, werden nicht nur seine Haare grau, auch seine Prostata fängt an zu wachsen. Ein völlig normaler Vorgang, der quasi in der „Natur des Mannes“ liegt. Zwar scheint es auch externe Faktoren zu geben, wie bestimmte Ess- und Trinkgewohnheiten, die das Wachstum der Prostata im Alter beeinflussen, doch letztendlich aufhalten lässt sich die Prostatavergrößerung nicht. Eine solche wird in der medizinischen Fachsprache als  Benigne Prostata-Hyperplasie oder kurz BPH bezeichnet. Im Alltag spricht man auch von der Altersprostata. Im Gegensatz zum Prostatakarzinom, das ebenfalls sehr häufig ist, kommt es bei der BPH zu einem vermehrten Wachstum von an sich unauffälligen Zellen. Die BPH ist also eine gutartige Vergrößerung der Prostata, die aber deshalb nicht ungefährlich ist. Denn durch das Wachstum der Zellen wird meistens auch die Funktion der Harnröhre negativ beeinträchtig. Die Prostata zwängt die Harnröhre ein. Dabei kann es zu unterschiedlich starken Symptomen kommen. Im besten Fall stellt der Betroffene fest, dass sein Urinstrahl nicht mehr so stark wie in jungen Jahren ist und er deshalb öfters zum Wasserlassen auf die Toilette muss. In anderen Fällen wird es aber wesentlich gefährlicher, weil der Urinstrahl so stark nachlässt, dass es zu einem Rückstau kommt. Der Urinrückstau kann bis in die Niere hineingehen, diese irreparabel schädigen und so zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.

Neue Behandlungsmethode von Protox

Obwohl die BPH an sich eine gut erforschte Krankheit ist, gibt es bisher keine Behandlungsmethode, die nicht mit erheblichen Nachteilen verbunden ist. Vor allem die im großen Umfang verschriebenen Alpha-Blocker und 5Alpha-Reduktase-Inhibitoren führen in nicht wenigen Fällen zu Bluthochdruck, zu erektiler Dysfunktion und zu einem Rückgang der Libido. Da bei der Einnahme dieser Medikamente auch die Serumkonzentration des prostata-spezifischen-Antigens (PSA) gesenkt wird, wird zudem die Diagnose von malignen Tumoren erschwert. Ein nicht unerhebliches Problem, auch wenn die BPH in keinem direkten Zusammenhang mit der Entstehung des Prostatakarzinoms zu bringen ist. Es ist aber dennoch möglich, dass beide Krankheiten zufällig gleichzeitig oder zeitlich hintereinander auftreten.

Bildquelle: Protox Therapeutics

Die kanadische Gesellschaft Protox Therapeutics hat sich diesem Problem angenommen und eine völlig neuartige Behandlungsmethode von BPH entwickelt. Das Präparat, das dabei herausgekommen ist, trägt den Forschungsnamen PRX302. Es durchläuft derzeit die klinische Forschungsphase II. Diese Phase beinhaltet auch, dass es an einer ausgesuchten Patientengruppe getestet wird. Erste Ergebnisse dieser Tests sollen im vierten Quartal 2008 publiziert werden.


Dr. Peter Pommerville hat bei Protox Therapeutics die klinische Forschungsphase I mit PRX302 mitgeleitet. Wenn Sie auf das Bild klicken, können Sie ein Interview (auf Englisch) mit ihm verfolgen. In diesem Interview berichtet er über den sehr guten Verlauf der ersten Forschungsphase.  

PRX302 ist ein vom Bakterium Aeromonas hydrophilia ausgesondertes modifiziertes Protein, das in die Prostata injiziert wird. Dort lagert es sich an die Prostatazellen an. „Scharf“ gemacht wird das Protein durch das PSA, einem Eiweiß, das von gutartigen und bösartigen Prostatazellen produziert wird. Bei BPH und Prostatakarzinom ist der PSA-Wert aber stark erhöht. Nach der „Scharfmachung“ bildet PRX302 eine pilzartige Struktur, die die Zellmembran durchlöchert. Die Zelle läuft aus und stirbt ab. Ziel der Behandlung durch PRX302 ist es, das Ausmaß der Prostata zu verkleinern und der Harnröhre wieder Platz zu geben.

Bildquelle: Protox Therapeutics

Aufgrund der Funktionsweise kann mit PRX302 auch das Prostatakarzinom behandelt werden. Auch für diese Indikation laufen bei Protox Untersuchungsreihen der klinischen Phase II. Prostatakrebs ist in Deutschland unter Männern die häufigste Krebserkrankung. Pro Jahr werden nach Angaben des Robert Koch-Instituts rund 60.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Mit einem Anteil von rund zehn Prozent steht das Prostatakarzinom an dritter Stelle bei den zum Tode führenden Krebserkrankungen. Protox arbeitet zudem daran, PRX302 so zu verändern, dass auch andere krankhafte Zellwucherungen im Körper behandelt werden können. Insofern stellt PRX302 eine Technologieplattform da.

Das „Zeug“ zum Blockbuster

Mit PRX302 stößt Protox in einen Milliardenmarkt vor. Das Präparat ist ein potenzieller Blockbuster, das heißt, es könnte eines Tages auf einen Jahresumsatz von mindestens eine Milliarde US-Dollar kommen. BPH ist eine Volkskrankheit, unter der rund 50 Prozent aller männlichen Personen leiden, die 60 Jahre oder älter sind. Ab einem Alter von 70 Jahren steigt die Quote der Betroffenen auf sogar 90 Prozent. In den USA wird jeder vierte Mann, der über 80 Jahre ist, an BPH behandelt. Jedes Jahr werden in den Staaten rund 300.000 Operationen zur Beseitigung der BPH durchgeführt. Dafür fallen Kosten in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar an. Die Ausgaben für die medikamentöse Behandlung von BPH belaufen sich jährlich auf etwa vier Milliarden US-Dollar. PRX302 könnte eines Tages dazu beitragen, die Behandlungskosten von BPH entscheidend zu verringern. Denn das Präparat wird mit einer Spitze in die Prostata injiziert; aufwendige Operationsmethoden entfallen.

 

Bildquelle: Protox Therapeutics

Andocken, eindringen, zerstören

Mit PRX321 hat Protox ein weiteres aussichtsreiches Präparat in der Pipeline. PRX321 steuert über den Botenstoff Interleukin-4 entsprechende Rezeptoren auf der Oberfläche einer Krebszelle an. Nach dem „Andocken“ dringt PRX321 in die Krebszelle ein und sondert dort ein giftiges Stoffwechselprodukt des Bakteriums Pseudomonas Exotoxin ab. Dadurch wird die Krebszelle „vergiftet“ und stirbt ab. PRX321 wird derzeit auf die Behandlung von Hirntumoren, Leukämie, Nieren- und Lungenkrebs in klinischen Studien getestet. Zudem laufen Versuche mit verschiedenen anderen Krebsarten.

Bildquelle: Protox Therapeutics

PRX321 könnte eines Tages die klassische Chemotherapie ablösen. Die Chemotherapie gehört heute zwar zur erfolgreichsten „Waffe“, die die Menschheit gegen Krebs zur Verfügung hat – dank der Chemotherapie können Tumorzellen zerstört und neue an der Entstehung gehindert werden – doch die eingesetzten Chemotherapeutika greifen nicht nur die Tumorzellen an, sie hemmen auch das Wachstum gesunder Zellen, die sich besonders oft teilen. Dazu gehören unter anderem Haarzellen, Schleimhautzellen und Zellen des Knochenmarks.

Letzteres ist dabei besonders schlimm, da im Knochenmark alle Arten der weißen Blutkörperchen gebildet werden. Und diese sind ein elementarer Bestandteil der körpereigenen Immunabwehr. Wird diese geschwächt oder gar außer Kraft gesetzt, ist der Mensch widerstandslos jeder Infektionskrankheit ausgeliefert. Viele Chemotherapiepatienten haben deshalb das Gefühl, mit der Einnahme der Chemotherapeutika einen Krieg gegen den eigenen Körper zu führen. Ein Gefühl, das im Prinzip nicht falsch ist, sind die eingesetzten Präparate, die so genannten Zytostatika, doch hochtoxische Substanzen, die grundsätzlich in den Stoffwechselvorgang aller Zellen eingreifen.

Bildquelle: Protox Therapeutics

Deshalb ist man in der Krebsforschung, in der Onkologie, bestrebt, die Bekämpfung von Tumorzellen zielgerichteter zu gestalten. Letztendlich sollen nur noch die Krebszellen angegriffen und zerstört werden, wohingegen das umliegende gesunde Gewebe verschont bleiben soll. Im Idealfall wird also der Krebs zerstört, ohne jede negative Nebenwirkung. Eine solche „Hochpräzisionswaffen“ könnte PRX321 sein.

Positive Analysteneinschätzungen

Mit seiner hochinteressanten Produktpipeline ist Protox Therapeutics auch unter Analysten auf eine positive Resonanz gestoßen. So hat das Brokerhaus Frazer Mackenzie Anfang 2008 ein Kursziel für das Protox-Papier von 2,25 Kanadische Dollar auf Sicht von zwölf Monaten ausgegeben. Ein Kursziel, das vielleicht noch erreicht werden könnte, wenn die Ergebnisse der klinischen Forschungsphase II, die im vierten Quartal 2008 publiziert werden sollen, entsprechend positiv ausfallen. Unter finanziellen Gesichtspunkten ist Protox derzeit gut abgesichert. Das Unternehmen verbraucht monatlich etwa 600.000 Kanadische Dollar, es hat aber gleichzeitig zehn Millionen Kanadische Dollar Cash auf der Bank.

 

Besuchen Sie Protox Therapeutics Inc. im Internet

 


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