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Megatrend Ernährung - Beispiel Fleisch

„Fleisch: Ja klar!“, mit diesem Werbeslogan ging die Centrale Marketingesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft, kurz CMA, 2002 auf Kundenfang. Nicht ohne Erfolg – Steak, Hühnchenkeule und Kotelett gehören heute für viele Deutsche trotz „Gammelfleisch-Skandal“ und Vogelgrippe immer noch zu einem „richtigen“ Essen. Laut einer Umfrage des Aachener Marktforschers Dialego im April 2007 kommt bei 94 Prozent der Verbraucher, die grundsätzlich Fleisch essen, mindestens einmal in der Woche auch Fleisch oder Wurst auf den Tisch. Und damit sind die Deutschen nicht alleine: Weltweit steigt der Fleischverzehr seit Jahrzehnten rapide an. Lag dieser 1979 noch bei rund 136 Millionen Tonnen, wurden laut US-Landwirtschaftsministerium 2007 bereits 223 Millionen Tonnen Fleisch produziert und gegessen.

 

Bildquelle: China Yurun Food

 

Eine Entwicklung, für die nicht allein die Zunahme der Weltbevölkerung verantwortlich ist. Denn gleichzeitig ist auch der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch deutlich mehr geworden. Lag dieser zum Beispiel in Deutschland 1950 noch bei 26 Kilogramm, wurden 2004 im Durchschnitt schon 61 Kilogramm Fleisch von einem Bundesbürger im Jahr verzehrt. Eine Tendenz, die bis heute anhalten dürfte, wie ein Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes verrät. So wurden 2007 in Deutschland 7,3 Millionen Tonnen Fleisch produziert, 2004 waren es nur 6,8 Millionen Tonnen.

 

Jede Menge Probleme

 

Dabei ist die massenhafte Fleischproduktion unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten mit extremen Problemen behaftet. Zum einem trägt die Massentierhaltung zu einem hohen Anteil zum weltweiten Ausstoß klimaschädlicher Gase bei. Zum anderen benötigt man für die Produktion von einem Kilogramm Fleisch mindestens sieben Kilogramm Tierfutter, im Wesentlichen Getreide und Sojabohnen. Bei der „Umwandlung“ von Getreide und Soja in Fleisch geht also viel Nahrung verloren. Und auf der Fläche, die man benötigt, um 50 Kilogramm Fleisch herzustellen, könnten im gleichen Zeitraum zum Beispiel 6.000 Kilogramm Karotten gezüchtet werden. Nur durch die systematische Verringerung der Fleischproduktion, so die Schlussfolgerung vieler Ökonomen, ließe sich die wachsende Anzahl an Menschen auf Dauer satt bekommen.

 

China kommt auf den Geschmack

 

Doch bis sich diese Erkenntnis in den Köpfen der Menschen durchgesetzt hat, ist von einem weiter steigenden Fleischkonsum auszugehen. So rechnet die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit einer Fleischproduktion von 300 Millionen Tonnen im Jahr 2016. Dabei dürfte vor allem Asien der treibende Faktor sein. In der Region, in der bisher traditionell vergleichsweise wenig Fleisch gegessen wurde, kommt den westlichen Ernährungsgewohnheiten eine immer größere Bedeutung zu. Belief sich zum Beispiel die Fleischproduktion in der Volksrepublik China 1979 nur auf knapp 15 Millionen Tonnen, waren es 2004 schon 74 Millionen Tonnen.

Laut China Meat Association werden derzeit durchschnittlich 33 Kilogramm Fleisch pro Kopf im Jahr im Riesenreich verzehrt. Die Vereinigung rechnet aber in den kommenden Jahren mit einer Steigerung des Pro-Kopf-Verbrauchs um mindestens 20 Kilogramm. Analog dazu hat die chinesische Regierung das Ziel ausgegeben, bis 2010 eine Handvoll international wettbewerbsfähiger Fleischverarbeitungsunternehmen zu schaffen, die über moderne Anlagen verfügen, die auch westlichen Hygienestandards genügen.

 

Fleischpreise vor Anstieg?

 

Das größte Wachstumspotenzial unter den verschiedenen Fleischsorten dürfte das Schweinefleisch haben. Die OECD rechnet mit einem Produktionsanstieg von 33 Prozent bis 2016. Bei Geflügel geht die OECD von einem Anwachsen der Produktion um 27 Prozent aus, während für Rindfleisch „nur“ ein Zuwachs von 24 Prozent erwartet wird. Zum Vergleich: 2007 wurden knapp 102 Millionen Tonnen Schweine-, 66 Millionen Tonnen Geflügel- und 55 Millionen Tonnen Rindfleisch produziert.




Bildquelle: Australian Agricultural

 

Ein Blick auf die Preisentwicklung der drei an den Terminbörsen hauptsächlich gehandelten Fleischsorten (Lean Hog (Magerschwein), Live Cattle (Schlachtrind) und Feeder Cattle (Zucht-/Mastrind)) lässt Interessantes zu Tage treten: Seit 2004 stagnieren die Preise. Die positiven Gesamtaussichten für Fleisch haben sich bisher nicht durch saftige Preisaufschläge bemerkbar gemacht. So ist Live Cattle seit 2004 mehrmals im Bereich von 100 US-Cent je amerikanisches Pfund nach unten abgeprallt. Für Lean Hog lag die charttechnische Schallgrenze bisher bei 80 Cent, für Feeder Cattle bei 120 Cent. Ein Grund für diese Entwicklung dürfte der zunehmende Tierbestand auf den großen US-Farmen sein. Diese und weitere hochinteressante Informationen werden im monatlich erscheinenden Report „Cattle on Feed“ des US-Landwirtschaftsministeriums (www.usda.gov) veröffentlicht, die Basislektüre für alle Anleger, die sich im Agrarbereich engagieren wollen.


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