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Ein teures Frühstück

Wenn sich Jim Rogers zum Frühstück begibt, dann sieht er vor allem eins: Investmentchancen. Seit Jahren nämlich predigt der Milliardär und ehemalige Mitstreiter der Börsenlegende George Soros, dass man sein Geld doch in Weizen, Mais, Zucker und Kaffee anlegen solle. Und nun scheint Rogers Recht zu behalten, denn seit Jahren klettern die Preise für diese Produkte.

Macht man sich auf die Suche nach den Ursachen dieser Preissteigerung, stößt man vor allem auf zwei Faktoren, die auch zu den Bullenmärkten geführt haben, in denen sich die meisten anderen Rohstoffe wie Gold, Kupfer und Platin befinden: eine stark wachsende Nachfrage und ein stagnierendes Angebot.

 

China bekommt Appetit

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Nachfrageseite. Hier spielen vor allem China und die Bioethanolbranche eine maßgebende Rolle. Noch nie zuvor wurde in China soviel Getreide verbraucht wie derzeit. Die Globalisierung führt sukzessive zu einer „Verwestlichung“ des chinesischen Alltags. Brötchen, Müsli und Kaffee – so sieht heute auch der Start in den Tag bei vielen Chinesen aus. Die traditionellen Reis- und Nudelsuppen haben das Nachsehen.

Aber es gibt noch einen weiteren Punkt, der die chinesische Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten nach oben schnellen lässt: der Fleischkonsum. Verglichen mit dem Westen spielte Fleisch in China bisher eine eher untergeordnete Rolle bei der Ernährung. So liegt der durchschnittliche Anteil von Nahrung tierischer Herkunft in den USA zwischen 60 und 80 Prozent. Im traditionellen China dürfte sich dieser dagegen nur bei etwa 20 Prozent bewegt haben.

 

Bildquelle: Burcon Nutrascience

 

Mit der zunehmenden „Verwestlichung“ hat sich dieser Anteil in den letzten Jahren jedoch deutlich erhöht. Fast-Food-Restaurants wie McDonalds und Kentucky Fried Chicken haben den Verzehr von typisch westlichen Nahrungsprodukten wie Rinder-, Schweine- und Hühnerfleisch auch den Chinesen schmackhaft gemacht. Fleischprodukte, die zuvor aufwendig „hergestellt“ werden müssen. Rund ein Viertel der jährlichen globalen Getreideproduktion wird an Rinder, Schweine und Geflügel verfüttert – Tendenz stark steigend. Gleichzeitig nehmen die Tiere einen immer größeren Teil des bisher als Ackerfläche gebrauchten Bodens als Weideland in Beschlag.

Unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten ist das eine bedenkliche Entwicklung, denn die massenhafte Zucht von Tieren führt nicht nur zu erheblichen Umweltbelastungen – so tragen die im Verdauungstrakt von Rindern entstehenden Methangase zu circa einem Drittel vom weltweiten Ausstoß an Treibhausgasen bei – sie ist auch völlig ineffektiv: Um ein Kilo Schweinefleisch herzustellen, müssen zuvor mindestens sieben Kilo Mais und Sojabohnen verfüttert werden.

Bioethanol lässt Preise steigen

Neben China ist es vor allem die Bioethanolbranche, die die Preise für Getreide steigen lässt. Gerade in den USA ist die Ethanolproduktion nun so richtig zum Laufen gekommen. Bis 2030, so das Ziel von Georg W. Bush, sollen 30 Prozent des US-Benzinbedarfs durch den Alternativtreibstoff ersetzt werden. Und auch Bushs potenzielle Nachfolger Clinton und Obama wollen an dieser Vorgabe festhalten.

Da in den USA zur Herstellung von Ethanol vor allem auf Mais zurückgegriffen wird, steigen die Maispreise besonders rasant an. Eine Entwicklung, die vor allem in den Ländern mit einem hohen Maisbedarf schon zu ersten Unruhen geführt hat. In Mexiko gab es zum Beispiel mehrere Großdemonstrationen gegen die rapide Verteuerung der Tortillapreise, für viele Mexikaner aus der ärmeren Schicht ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Tortillas werden im Wesentlichen aus Mais hergestellt.

Bis 2010 dürfte ein Drittel der Maisernte in den USA für die Ethanolproduktion eingesetzt werden. In Deutschland werden aktuell zwei Millionen von insgesamt zwölf Millionen Hektar Ackerland für Energiezwecke verwendet.

Kostbarer Ackerboden

Nun werfen wir noch einen Blick auf die Angebotsseite. Wie bei nahezu allen anderen Rohstoffen auch ist die Erzeugung von Agrarprodukten „limitiert“. Weltweit gibt es nämlich nur begrenzt fruchtbares Ackerland. Man schätzt es auf 1,5 Milliarden Hektar. Und viel mehr ist auch nicht möglich, da der Rest der Erdoberfläche von insgesamt knapp 15 Milliarden Hektar zu einem Drittel entweder unter Eis liegt oder als Hochgebirge und Wüste für die Landwirtschaft denkbar ungeeignet ist. Ein weiteres Drittel ist mit Wald bedeckt, dessen Abholzung eine ökologische Katastrophe bedeuten würde. Und das letzte Drittel wird bereits landwirtschaftlich genutzt, entweder als Gras- und Weideland (3,5 Milliarden Hektar) oder eben als Ackerland.

Aufgrund von Wasserknappheit kommt es zudem immer öfter zur Versalzung und Versteppung ehemals fruchtbaren Ackerbodens. Und nicht selten wird Ackerland mit Siedlungen und Infrastruktureinrichtungen wie Straßen versiegelt. Jedes Jahr dürften rund eine Million Hektar Boden für die Landwirtschaft verloren gehen.

 

Bildquelle: Agco

 

Und somit kommt auch der „Agrarbericht 2007“ des schweizerischen Bundesamtes für Landwirtschaft zu dem Ergebnis: „Die Entwicklungen auf den Agrarmärkten zeigen, dass künftig große Anstrengungen notwendig sind, damit weltweit das Angebot der Nachfrage folgen kann. Die Herausforderung besteht darin, möglichst viele Flächen in der Produktion zu halten und nachhaltig zu bewirtschaften.“


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