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Die Kraft aus der Sonne
Nahezu unerschöpflich, energiegeladen und allgegenwärtig die Sonne versorgt seit Jahrtausenden die Erde mit ihrer Kraft. Bisher wurde diese allerdings im großen Stil nur von der Pflanzenwelt mit Hilfe der Photosynthese in Energie umgesetzt. Das soll sich nun grundlegend ändern, denn die Sonnenenergie kann bekanntermaßen ja auch zur Erzeugung von Strom eingesetzt werden.
Seit einigen Jahren experimentiert die Menschheit mit diesem Verfahren, das Photovoltaik genannt wird. Zusammengesetzt wird diese Bezeichnung aus „Photos“, dem griechischen Wort für Licht, und „Volta“, nach Alessandro Volta, einem Pionier der Elektrotechnik. Erste Erfahrungen sammelte man Ende der 50er-Jahre im Weltraum. Damals wurden Sonnenkollektoren zur Energiegewinnung auf Satelliten eingesetzt

 

Beeindruckende Wachstumsraten

 

Heute, nur rund 50 Jahre später, ist die Photovoltaik zu einer, wenn vergleichsweise auch noch kleinen, Stütze der globalen Energieversorgung gewachsen. So werden in Deutschland derzeit jährlich etwa 3.000 Gigawattstunden Strom – damit könnte man ganz Hamburg mit Haushaltstrom versorgen – erzeugt. Das sind rund vier Prozent des gesamten durch erneuerbare Energien produzierten Stroms.

Nicht viel, aber mit beeindruckenden Wachstumsraten: Die Zahl der vornehmlich auf Dächern montierten deutschen Solarstromanlagen vergrößerte sich nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) im Jahr 2007 um rund 130.000 auf insgesamt 430.000. Nach einem Zubau von jeweils 850 Megawatt-Peak in den Vorjahren 2005 und 2006 wurden 2007 rund 1,1 Gigawatt Photovoltaikleistung in Deutschland installiert – soviel wie noch nie zuvor.

Weltweit wurden 2007 etwa 2,3 Gigawatt Solarstromleistung installiert. Das entspricht einem Wachstum zum Vorjahr von 40 Prozent. Bis 2010 könnte die Leistung nach Einschätzung von Epia, dem Verband der europäischen Photovoltaikhersteller, auf sieben Gigawatt zulegen.

 

Die Politik macht mit

 

Aber es könnte noch viel mehr sein. Denn die als Licht und Wärme auf die Erde auftreffende Menge an Sonnenenergie beträgt jährlich 1,5 mal 1018 Kilowattstunden; dies entspricht in etwa dem 15.000-fachen des gesamten aktuellen Primärenergieverbrauchs der Menschheit.

Ein Potenzial, das auch die Politik erkannt hat. So präsentierte die EU-Kommission erst vor wenigen Tagen in Brüssel ihr neues Klimaschutzprogramm. Hauptaussage des Paketes: Bis zum Jahr 2020 soll der Treibhausgasausstoß um ein Fünftel gegenüber 1990 gesenkt werden. Für Deutschland wird eine Reduzierung um 14 Prozent vorgeschlagen. Außerdem soll bis zum Jahre 2020 ein Fünftel des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen wie beispielsweise Sonnen, Wasser- oder Windkraft gedeckt werden. Für Deutschland soll der Anteil an erneuerbaren Energien 18 Prozent betragen. Bisher macht dieser nur sechs Prozent aus.

 

Die USA im Wandel

 

Aber nicht nur in Deutschland wird Sonnenenergie weiter „blühen und gedeihen“. Gerade die USA, Klimasünder Nummer eins, könnten sich in den kommenden Jahren grundlegend ändern. Denn erneuerbare Energien, also auch die Sonnenenergie, haben sich längst zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor entwickelt. So stieg der Umsatz der deutschen Photovoltaikhersteller im letzten Jahr um 23 Prozent auf rund 5,5 Milliarden Euro. Deutsche Solarunternehmen haben 2007 rund 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Gesamtbeschäftigtenzahl der deutschen Solarbranche stieg damit auf insgesamt 40.000.

Eine Entwicklung, die auch in den USA ihre Nachahmer finden wird. Noch wird sie allerdings durch die Bush-Administration blockiert, die nach wie vor am Öl als Hauptenergiequelle festhält. Doch mit dem anstehenden Machtwechsel im Weißen Haus wird sich das ändern. Die beiden derzeit aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten, Hillary Clinton und Barack Obama, haben ihren Willen zum Wandel signalisiert. So stellt Clinton in ihrem Wahlprogramm die Auflegung eines 10-Jahres-Plans in Aussicht, in dessen Verlauf 150 Milliarden Dollar in „Ökoprogramme“ investiert werden sollen. Und Obama verfolgt das Ziel, bis 2050 den Ausstoß von Kohlendioxid um 80 Prozent zu reduzieren.

Und ausgerechnet das US-Militär prescht schon jetzt nach vorne: Im November 2007 wurde auf dem Luftwaffenstützpunkt Nellis Air Force Base in Nevada ein 15 Megawatt-Solarkraftwerk in Betrieb genommen. Es belegt Platz drei in der Liste der weltweiten Multi-Megawatt-Anlagen.

 

Preisverfall bei Solarsilizium

 

Allerdings steht dem ungebremsten Wachstum der Solarbranche ein bremsender Faktor entgegen: Zur Herstellung von Solarzellen wird speziell aufbereitetes Silizium benötigt. Und dieses ist derzeit noch eine absolute Mangelware. Jahrzehntelang wurde nämlich, wie bei fast allen anderen Rohstoffen auch, kaum Geld in den Ausbau der Solarsiliziumindustrie investiert. Zwar gibt es nun intensive Bemühungen für eine Erhöhung des weltweiten Ausstoßes an Solarsilizium, doch jede zusätzliche Produktion wurde längst über Langzeitverträge an die Solarzellenhersteller verkauft.

Eine Situation, die sich aber in den kommenden Jahren grundlegend ändern wird. Die Siliziumindustrie wird voraussichtlich 2010 mehr Solarsilizium produzieren als benötigt wird. Von aktuell 38.000 Tonnen dürfte der Ausstoß an kristallinem Solarsilizium 2010 auf über 80.000 Tonnen steigen. Das entspricht einer Produktionskapazität von etwa zehn Gigawatt an Solarstromleistung. Demgegenüber dürfte aber nur eine Nachfrage von sieben Gigawatt stehen.

Und dieser Angebotsüberhang an Solarsilizium könnte noch größer ausfallen. Denn von Jahr zu Jahr wird pro produzierte Einheit an Solarzellen weniger Silizium benötigt. Durch neue Verfahren bei der Solarzellenherstellung, zum Beispiel durch die Dünnschichttechnologie,  konnte der Siliziumbedarf deutlich reduziert werden. Kenner der Szene gehen daher davon aus, dass 2010 ein Angebot an Solarsilizium bestehen könnte, mit dem bis zu 18 Gigawatt an Solarstromleistung hergestellt werden könnten. Für die Solarsiliziumindustrie bedeutet das nichts Gutes. Ein massiver Preisverfall des Solarsiliziumspreises ist vorprogrammiert.

Doch auf welche Unternehmen aus der Solarbranche können Anleger nun setzen? Grundsätzlich sollte man Gesellschaften bevorzugen, die am Ende der Wertschöpfungskette stehen, also Solarmodulhersteller und Projektentwickler.


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